GREEN Dynamite!

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Die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst, Ökologie und menschlicher Intervention sind fließend, das stellen wir in der „Welt ohne uns“ immer wieder fest. Und sie sind sehr reizvoll! Das hat kürzlich auch ein Projekt der Versailler „Ecole Nationale Superieure du Paysage“eindrucksvoll bewiesen: Auf einem zehn Hektar großen brachliegenden Industriegelände

in der Bretagne haben Studenten der Landschaftsarchitektur unterschiedlichste Ideen entwickelt, wie der allmähliche Verfall der baulichen Anlagen, der „Eroberungszug der Natur“(als den wir das Ganze ja gerne sehen), künstlerisch überhöht und gewissermaßen in Szene gesetzt werden könne. Zugleich ist das Projekt ein ökologisches Experiment in dem die Grenzen pflanzlicher Standortbedingungen und Potentiale ausgelotet werden, und dem Verfallsprozess ein wenig auf die Sprünge geholfen wird. Der Witz an der Geschichte ist, dass ausschließlich auf dem Gelände vorhandenes Material verwendet wird und neues nur durch originelle Umwidmung, Zweckentfremdung und minimale Eingriffe entsteht. Eine Lagerhalle wird so zu einem „Metallwald“: Die Dachplatten sind teilweise abgenommen, sodass Licht und Wasser ins Innere gelangt und in ehemaligen Hochregalen stapeln sich Paletten mit einer Schichtung aus Brettern und Erde. Hier ist Raum für ein neues Ökosystem entstanden. Fast symbolisch auf die Spitze getrieben wird die Idee in einer Installation mit dem treffenden Namen „Green Dynamite“: In den Betonboden sind Löcher gebohrt, in denen Weidenstecklinge grünen. In einigen Jahren wird die Betondecke durch die Kraft der Wurzeln komplett aufgesprengt sein – oder vielleicht nicht? Ein Projekt das mit der Zeit spielt: Einerseits werden die Verfallsprozesse beschleunigt, zukünftige Zustände also gewissermaßen vorweg genommen, andererseits ist die Zeit aber der eigentliche Hauptakteur und Garant dafür, das hier aus einer einmaligen Intervention und einem Verfallsprozess wie er allerorten abläuft etwas ganz neues entsteht für das wir eigentlich noch keinen Begriff haben. Naturschutzgebiet im Sinne des Schutzes natürlicher Prozesse? Gestaltete Landschaft mit Nutzungsstrukturen ähnlich einem Park? Künstlerisches Experiment mit ungewissem Ausgang? In jedem Fall trägt so ein Projekt mehr vielleicht als manche gut gemeinte Informationstafel dazu bei in der Bevölkerung das Interesse für ökologische Prozesse zu wecken und so letztendlich die Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen zu verbessern, aber auch deren Möglichkeiten zu erweitern. 

Ein Kommentar zu “GREEN Dynamite!”

  1. Leon sagt:

    Super Post! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

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