Kommt Zeit, kommt [ ]

»Schau dir die kleinen Wesen an, die sich dort in der Ferne bewegen; schau sie dir an. Das sind Menschen.

Im abnehmenden Licht sehe ich ohne Bedauern zu, wie die Menschheit verschwindet. Der letzte Sonnenstrahl streift die Ebene, gleitet über die Bergkette, die im Osten den Horizont versperrt, und taucht die öde Landschaft in rötliches Licht. Das Drahtgitter des Elektrozauns, der das Anwesen umgibt, glitzert. Fox knurrt leise; er spürt vermutlich die Nähe der Wilden. Ich habe nicht das geringste Mitleid mit ihnen und auch nicht das Gefühl, irgendwie mit ihnen verwand zu sein. Für mich sind sie nur Affen, die ein bisschen intelligenter als richtige Affen und daher auch gefährlicher sind. Manchmal schließe ich das Tor auf, um ein Kaninchen oder einen streunenden Hund zu retten, doch nie, um einem Menschen zu helfen. «

Was Michel Houellebecq in seinem Buch „Die Möglichkeit einer Insel“ beschreibt, lässt mich darüber nachdenken, was wir überhaupt grade jetzt, in dieser, unserer Zeit unternehmen, um die Menschlichkeit an sich zu erhalten.

Visionen über ein Verschwinden der Menschheit machen immer Angst; wir haben Angst davor, dass irgendwann nicht einmal mehr jemand unser menschliches Gefühl der Angst selbst kennt und unsere eigene Seele, unsere eigene lebensgestaltende Phantasie, dass all diese Dinge einfach vom Erdboden verschwinden.

Mit 14 oder 15 habe ich H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ gelesen. Als Kind hat mir die Geschichte noch Wochen Stoff zum Nachdenken gegeben. Doch als tatsächliche Option, als möglicherweise wahr werdende Utopie habe ich sie nicht betrachtet. Beim Lesen von Houellebecqs düsterem Science-Fiction-Epos ist mir Jahre später die Ähnlichkeit der beiden Geschichten aufgefallen. Ich kann nicht sagen welche Utopie ich bevorzugen würde, wahrscheinlich keiner der beiden. Ich als Mensch will mich nicht von der Menschlichkeit verabschieden.

Doch was ist, wenn nicht die Menschen verschwinden, sondern eine Spezies, die sich von allem was wir heute mit „Menschlichem“ verbinden entfernt hat, das Erbe der Menschheit antritt? Eine Art nach Wells, die hässlich, verkrümmt in unterirdischen Höhlen lebt?  Eine Art nach Houellebecq, die nur noch als Klone maschinesk über kalte Tastaturen und flimmernde Bildschirme kommuniziert; tausende von Kilometern von einander getrennt und keine Chance auf das was die Humanität so besonders macht? Eine Art, die alles hat und doch in nichts Befriedigung findet?

Eigentlich ist vieles davon schon ganz schrecklich real [und Lichtjahre von jeglicher E.T.- Future- Harmonie entfernt.]

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