Konzept

Mit „Die Welt ohne uns“ verabschiedet sich das Staatstheater Hannover von Anthropozentrismen und erprobt eine radikale Zukunftsvision: Eine Erde, von der die Menschen verschwunden sind. Bühne und zugleich Akteur dieser Inszenierung ist eine Landschaft, die sich erst über einen Zeitraum von Jahrtausenden von den Folgen menschlicher Nutzung, Kultivierung, und Zerstörung emanzipiert.

Auf einem Gelände im Stadtgebiet Hannover werden diese fiktiven Umwälzungen gärtnerisch theatral inszeniert. So wird gezeigt, wie intensiv der Mensch bislang in die natürlichen Prozesse eingegriffen hat und zugleich das Selbstverständnis humaner Weltorganisation in Frage gestellt. Doch auch theatrale Rezeptionsgewohnheiten werden hier befragt: Indem echte Pflanzen zu Akteuren werden, werden die Ausdrucksformen des Theaters auf die Welt der Botanik übertragen.
Indem landschaftliche Veränderungen über 1 Million Jahre dargestellt werden, überbrückt Die Welt ohne uns für das Theater bislang unvorstellbare Zeitdimensionen. Um dies mit den naturgemäß trägeren botanischen Akteuren zu leisten, muss auch die tatsächliche Laufzeit dieser Inszenierung den Rahmen einer normalen Theateraufführung sprengen: Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt.
Damit stellt die Die Welt ohne uns nicht nur in seiner thematischen und formalen Pflanzenbezogenheit ein absolutes Novum in der Theaterszene dar, sondern auch in der Dauer. Als Langzeittheaterstück über mehrere Jahre sprengt das Projekt die normale Vorstellungsdauer einer Theateraufführung. Dabei ist dies jedoch nicht nur spektakuläres Faktum, sondern gleichsam inhaltliche Notwendigkeit. Die Dauer soll nicht nur auf die andere Zeit der Natur aufmerksam machen, sondern auch unsere normalen Zeitvorstellungsräume von Legislaturperioden, Spielzeiten oder Semestern sprengen. Denn was wir heute tun, beeinflusst die Erde für Jahrtausende.