Von Feldhamstern und anderen Lebewesen

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Ein Skeptischer Zeitgenosse stellte sich vor einigen Tagen die Frage, ob es nicht sehr dekadent sei, unter Inkaufnahme großer wirtschaftlicher Einbußen einer dahinvegetierenden Feldhamsterpopulation vor dem Neubau eines Gemüsebaubetriebes mit angeschlossener Biogasanlage Vorrang zu gewähren. Naturschutz sei ja an sich eine feine Sache, nur könne er nicht verstehen, warum man dafür nicht irgendwelche schlecht zugänglichen unbrauchbaren Flächen auswählen könne.

Schade, dass er diese Frage nur so im Stillen für sich gestellt hat, sonst hätte ich ihm wie folgt geantwortet:

„Mein Freund, wir müssen uns wirklich von dem Gedanken lösen, dass es unsere Aufgabe sei „die Natur“ zu schützen. Die Natur – wenn man damit die Gesamtheit aller Ökosysteme meint – hat schon ganz andere Katastrophen überstanden. Sie trauert keiner ausgestorbenen Art nach, noch wird es sie kümmern, wenn das Klima sich erwärmt oder abkühlt. Sie kennt auch kein schön oder hässlich, gut oder böse, für sie gibt es nur den einen unendlich starken Trieb zum Leben, der bestehen wird, wenn von uns auch die allerallerletzte Spur verschwunden sein wird! Es ist nichts anderes als maßlose Selbstüberschätzung, wenn wir befürchten, diesen großen Kreislauf ernsthaft ins Wanken bringen zu können.

Was wir also eigentlich meinen sollten wenn wir von Naturschutz sprechen ist Selbstschutz. Du solltest Dir also einmal folgendes vor Augen halten: Wenn die Lebensbedingungen sich irgendwann so gewandelt haben werden, dass für uns Menschen kein Platz mehr auf diesem Planeten ist, wird das die Natur nicht im mindesten kümmern. 90% aller Arten sind bislang ausgestorben und jedesmal wurden ökologische Nischen frei, in die sich andere Arten hineinentwickeln konnten. Kein Problem also. Aber, mal ganz ehrlich, wenn wir die intelligente Spezies sind, für die wir uns halten, dann sollten wir in der Lage sein, unseren eigenen Lebensraum zu erhalten, wie jeder blöde Einzeller das auch schafft! Hieran wird sich festmachen, ob wir als intelligente Spezies in die Erdgeschichte eingehen, oder als ein wilder Haufe triebgesteuerter Wesen.

Oder anders herum, wenn wir uns anmaßen in unser Kulturgeschichte Schönes, Kunstvolles und Geistreiches geschaffen zu haben, bietet sich uns, wenn diese Dinge bis in Ewigkeit fortbestehen sollen, gar keine andere Möglichkeit als uns selbst zu erhalten, da wir nunmal die Einzige Spezies sind, die unser kulturelles Vermächtnis überhaupt zu würdigen weiß! Mit dem Moment da wir verschwinden, wird auch jede Ästhetik, dahin sein. Ab dem Moment wird jedes Ding nur noch eine Anhäufung von Atomen sein, jedes Lebewesen nur noch ein im Jetzt agierender Stoffwechselprozess.

Naturschutz sollte also verstanden werden zum Einen als Schutz alles für uns Lebensnotwendigen, zum anderen aber – und hier liegt die eigentliche Legitimation allen Arten- und Biotopschutzes – als Schutz einer Lebenswerten Umwelt! Und da muss man sich ganz ehrlich fragen, ob eine nach ökonomischen Maßstäben strukturierte Agrar- und Industriesteppe, die fast undurchschaubar mit identitätslosen Stadtagglomerationen verwachsen ist, diese Funktion erfüllen kann.

Einzig nach diesen Maßstäben sollten wir alle Naturschutzbestimmungen ausrichten und würden am Ende überrascht feststellen, dass es zu solchen, wie Du sagst, dekadenten Auswüchsen gar nicht kommen kann!

Und ein Mensch, der es noch versteht, seinen Geist von der glühenden Flamme der Religion zu nähren hätte folgende Worte hinzugefügt:

Der Schöpfer der Welt hat hat den Menschen einst nach seinem Ebenbilde geschaffen, damit er sich die Erde untertan mache und über die anderen Geschöpfe herrsche. Nun sitzen wir hier, beklagen und viel über Ungerechtigkeit und Knechtschaft und sind doch selbst die schlechtesten Herrscher indem, dass wir unsere Untertanen auf das Schimpflichste behandeln. In der Beziehung des Menschen zur Schöpfung Gottes sollten keine anderen Maßstäbe gelten, als in jedem guten Staate, ja in jeder funktionierenden Gemeinschaft. Nur dann sind wir es wert, die herausragende Stellung, die Gott uns in seiner Schöpfung gab, zu halten. Der Mensch ist einzig zu dem Zweck geschaffen, sich an der Schöpfung zu erfreuen und sie mit Worten und Taten sein Leben lang zu preisen! Ist er nicht mehr in der Lage diesen Auftrag zu erfüllen, hat er seine Daseinsberechtigung auf dieser Erde verloren!

Dies bedenke, wann immer es Dich gelüstet, den Wert menschlichen Handelns zu beurteilen.

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